Read the Signs.

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Gastarbeiten #7 – Katja Schwinn

Ab 24. Juli ist die Bildende Künstlerin Katja Schwinn bei uns zu Gast. Wir freuen uns die aus Eberbach am Neckar stammende Künstlerin und Absolventin der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe bei uns zu begrüßen.

Katja Schwinn über Katja Schwinn:
»Meine künstlerische Arbeit baut konzeptuell auf der Aneignung und Interpretation von moderner, abstrakter Malerei auf. Folglich handelt meine Kunst von Kunst.

Seit 2009 produziere ich in Anlehnung an Malereien von Paul Klee, Cy Twombly und Henri Matisse eigene Arbeiten. Diese Interpretationen, die ich als raumgreifende Modelle gleichsam nachbaue, fertige ich auf der Grundlage von Reproduktionen in Katalogen und Internetdarstellungen an. Meine Materialen: neben Fundstücken unterschiedlicher Art, zumeist Latex und Gummi.

Das Ziel ist nicht die exakte Nachbildung des Originals, sondern vielmehr, durch die Wiederholungsgeste des Nachbauens, zu seiner Essenz vorzudringen. Abgesehen von der Re-Inszenierung, wird mein eigener künstlerischer Schaffensprozess in der Erweiterung des Objekts um eine zusätzliche Dimension, in seiner Transformation ins Räumliche, sichtbar.«

http://www.katjaschwinn.de/

Die rote Kuh

Die Opferverbrennung der roten Kuh
Die Opferverbrennung der roten Kuh

„Sage den Kindern Israel, daß sie zu dir führen eine rötliche Kuh ohne Gebrechen, an der kein Fehl sei und auf die noch nie ein Joch gekommen ist.“ Numeri / 4. Moses, 19:2

28. Juni 2017, Jerusalem

Die rote Kuh ist das letzte Puzzelteil für die Wiedererbauung des jüdischen Tempels auf dem Tempelberg in Jerusalem. Die Erbauung und darauf folgende Zerstörung des Tempels wiederum ist das letzte Puzzelteil für die Rückkehr des christlichen Messias und der Apokalypse im Sinne der Johannesoffenbarung. In dieser gibt es zu Anfang noch einen Tempel den Johannes vermessen soll, aber wenn das neue Jerusalem aus dem Himmel nieder fährt, ist er verschwunden.

Die Suche nach der roten Kuh hat mich nach Jerusalem geführt. Es gibt aktive Bestrebungen diese Kuh zu finden, besser gesagt sie zu züchten. Einer der Hauptakteure ist das Tempel Institut, das seinen Sitz in der Altstadt von Jerusalem, unweit des Tempelbergs hat. Zuerst habe ich allerdings den Tempelberg selbst besucht, da dieser nur vormittags für Nicht-Muslime zugänglich ist. Bei der Taschenkontrolle wird nach religiösen Objekten gesucht. Nicht-Muslime dürfen auf dem Berg nicht beten. Ein Mann vor mir hatte einen Rosenkranz in der Tasche. Die israelischen Soldaten haben ihn angewiesen diesen auf keinen Fall auszupacken. Auf dem Tempelberg befinden sich der Felsendom und die Al Aqsa Moschee, beide sind nicht zugänglich für Nicht-Muslime. Der Felsendom wurde über dem Stein erbaut, von dem aus Mohammed der Überlieferung nach in den Himmel aufgefahren ist. An der selben Stelle befand sich der Überlieferung nach aber auch das Heiligtum des jüdischen Tempels, denn dort soll Abraham, der Gründungsvater des Judentums versucht haben seinen Sohn Isaac zu opfern. Weiterhin soll sich an dieser Stelle auch der Mittelpunkt des Paradieses befunden haben.
Das Gelände des Tempelbergs ist weitläufig mit direktem Blick auf den Ölberg, einer beliebten jüdischen Grabstätte – bei der Erscheinung des jüdischen Messias werden die dort Begrabenen als erstes wieder auferstehen. Vom Ölberg aus ist außerdem Jesus in den Himmel aufgefahren und seine Verhaftung fand ebenfalls hier statt.
Es waren nur kleine Gruppen auf dem Tempelberg, wenige Touristen, ein paar Muslime. Gleich am Eingang für die Nicht-Muslime sitzt ein Mann auf einem weißen Plastikstuhl der per Zuruf darauf aufmerksam macht, ob die Besucher*innen angemessen gekleidet sind. Manchmal muss nur die Jacke geschlossen werden, andere werden entlang der Mauer zur Ausgabe von Tüchern und Röcken geschickt. Sowohl Frauen als auch Männer müssen ihre Beine und Schultern bedecken, das Dekolleté muss bis zum Hals bedeckt sein.

Nicht weit vom Tempelberg, im jüdischen Viertel der Altstadt hat das Tempel Institut seinen Sitz inklusive Ausstellungsräumen. Neben der Suche nach der roten Kuh, lassen sie Gegenstände für die Zeremonien im Tempel anfertigen und erstellen Computersimulationen vom potentiellen dritten Tempel auf dem Tempelberg. Diese Kuh wird für Reinigungsrituale benötigt, die notwendig sind um den Tempel überhaupt in Betrieb nehmen zu können.

Im Museum des Tempel Instituts ist die rote Kuh allerdings nicht präsent. Die Ausstellung besteht aus in Folie eingeschlagene Gemälden, die das Leben im Tempel zeigen sowie aus den Ritualgegenständen die bereits angefertigt wurden. Darunter sind verschiedene Behältnisse für Blut und Wasser, ein Brunnen zur Reinigung der Priester, ein Brotwagen, Kleidung für die Priester und eine riesige, goldene Minora. Die Bersucher*innen werden von einer Stimme in der Sprache ihrer Wahl durch die Ausstellung geführt. Ganz am Ende zeigt eine ausführliche Computersimulation den geplanten Tempel, im Anschluss laufen zwei Werbevideos für den Wiederaufbau. In der Audiotour wird auch auf die Bedeutung der Position des Felsendoms hingewiesen. Es wird aber in keinem Moment erwähnt, dass der Bau des Tempels den Abriss des Felsendoms bedeutet.

Im Souvenirshop des Museums konnte ich dann doch noch einen Hinweis auf die Rote Kuh finden. Ein laminierter Tischuntersetzer zeigt die Opferverbrennung der roten Kuh.

Meine nächste Spur wird mich in die Wüste Negev führen. Dort befindet sich eine Farm, die rote Angusrinder mit amerikanischen Embryonen züchtet. Das Tempel Institut unterstützt diese Züchtung finanziell, in der Hoffnung so die rote Kuh nach Israel zu bringen.