Begegnung mit Survival- und Prepper-Experte

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Die Prepper Szene wächst auch in Deutschland. Da wird gerade wieder mehr gekauft. Ich hoffe nicht wegen diesem Guam Blödsinn. Aber man muss sich ja nicht gleich auf den Weltuntergang vorbereiten. Ich habe immer Konserven daheim. Vor ein paar Jahren ist mein Keller vollgelaufen. Beide Gefriertruhen waren unter Wasser. Es waren Lebensmittel im Wert von mehreren hundert Euro kaputt. Da hab ich mir dann Gedanken gemacht wie ich mich auf einen solche Fall am besten vorbereite. Jetzt habe ich immer 20 Konserven daheim. Die sind ewig haltbar, bis zu zehn Jahren. Und außerdem praktisch, wenn es am Monatsende mal eng wird. Einen kleinen Gaskocher hab ich auch, falls der Strom weg ist. Bei Überschwemmungen und Unwettern fallen auch mal Strommasten um und es kann gut zwei Woche dauern, bis es wieder Strom gibt. Was isst man dann? Aber auch auf der Autobahn. Das ist viel günstiger als die Raststätte. Im Auto habe ich außerdem auch immer eine Wolldecke seitdem ich einmal nachts auf der A6 gefroren habe.

Das wichtigste ist die Bail-out Bag, wenn es schnell gehen muss. Ich hab immer vier bereit stehen: eine für Reisen zu Verwandten, eine für spontane Aufbrüche, die für den Alltag und mein Auto. Ich hab immer eine Passkopie dabei. Ansonsten sind Konserven und Wechselwäsche gut zu haben, aber essentiell sind Taschenlampe, Messer oder Taschenmesser, weil kulturell akzeptierter und eine Stirnlampe, denn es wird überall auf der Welt dunkel/dunkler.

Ich zeige euch mal meinen Rucksack, den ich heute dabei habe. Der ist 5/6 Jahre mindestens alt, aber das ist immer noch das gängige Modell.

Erst mal hab ich hier meine Supplies. Da hab ich jetzt gerade nur Nüsse drin und einen Göffel, also Gabel-Löffeln. Das Ding ist relativ leicht und passt hier perfekt rein. Das ist jetzt für urbane Verhältnisse gut. Kochen kann ich damit natürlich nicht, da hätte ich jetzt anderes Zeug dafür drin.

Dann hab ich hier ne extra Tasche, da hab ich meine Rauchutensilien drin.

Dann hab ich hier nen Leatherman bzw. ein Gerberwerkzeug. So was hab ich eigentlich immer dabei, generell Werkzeug schadet eigentlich nie.

Zack, das ist meine neuste Investition, da hab ich echt Geld ausgegeben. (eine Taschenlampe kommt zum Vorschein). Naja, ich hab sie günstiger von einem Freund. Normalerweise sind wir hier bei 200-300 Euro. Aber das sind halt 3000 Lumen, das ist wirklich ne Menge. Vor allen Dingen, wenn ich hier drauf drücke hab ich Strobomodus, damit blende ich alles und jeden. Also wenn mir jetzt irgendwer dumm kommt, blende ich den damit, laufe entweder rückwärts oder hau ihm damit eine runter. Hier vorne ist ein Glasbrecher. Wenn ich damit zuhaue, der sieht erst mal Sterne.

Das ist noch von einem amerikanischen Essenspaket, das ist Peanutbutter, die hab ich jetzt neulich mal angefangen aufzubrauchen und deswegen hab ich sie dabei.

Kleines Fernglas, super alt, funktioniert, Zeiss Jena, das hab ich meistens dabei, weil ich jetzt heute Abend noch Bogenschießen gehe und dann find ichs gut wenn ich weiß wo mein Pfeil wieder hin ist. Aber prinzipiell zum Wandern so ein kleines Gläschen. Das Ding wiegt nichts. Heutzutage gibt’s natürlich bessere Ferngläser, aber es reicht mir, das habe ich jetzt heut mal dabei.

Ansonsten, ja gut, Flachmann mit Zigaretten drin, das ist jetzt meine Sache.

Ein Stuhl, da hat mein Kollege gerade gelacht, weil ich beim Rauchen meinen Stuhl ausgepackt hab. Das ist der den die Straßenmusiker meistens haben. Weil ich Bahnfahrer bin hab ich den immer dabei. Dann ist die Bahn wieder überfüllt. Montag morgen, Bahn überfüllt, dann klappst du einen Stuhl aus, setzt dich hin, super Sache. Und sehr leicht, das ist ein Stahlrahmen, Stahl-Alu Gemix. Ansonsten, was ich sonst auch immer dabei hab, nur heute nicht, weils noch in meinem Wanderrucksack ist, ein Camelpack. Da kannst du hier Trinken reinmachen. Das ist eine Blase mit einem Schlauchsystem und es sind drei Liter, was rein geht. 10 Euro, 3 Liter. Dann brauchst du keine Flasche rumschleppen. Natürlich, was ich auch immer mit hab, feststehendes Messer. Warum? Ich darf ja kein Einhandklappmesser mit mir rumtragen und deswegen zieh ich jetzt ein feststehendes Messer an. Und es hat den großen Vorteil, es geht nie kaputt. Damit kannst du auch mal was mit aufhebeln. Das ist leicht, handlich und kostet nicht viel Geld. Ist gut scharf zu kriegen, Käse, Wurst, etcpp kann man alles mit schneiden.

Dann hab ich noch den Karabinerhaken, zum befestigen.

Und dann hab ich hier noch was zum Nachleuchten, damit ich meinen Kram wieder finde. Gibt es auch mit Tritium, das kann man auch dran machen und das leuchtet die nächsten 25 Jahre ohne Licht.

Diese Packung Notverpflegung das reicht für fünf Tage, je 2300 kcal. Ich hab davon mal eine Woche in England überlebt, weil ich mein ganzes Geld für Spielzeug ausgegeben hab, auf einer Fachmesse. Ich hab mehrere Kilo abgenommen, aber ich war satt.

Es schmeckt breiig. So ein bisschen wie Hefeweizen, ich glaube hopfig beschreibt es am besten. Also ein Geschmackserlebnis darf man da nicht erwarten. Wobei die EPas (Einmannpackung) bei der Bundeswehr sind schon lecker. Vor allem Hamburger mit Tomatensoße war gut. Nach einem Tag im Matsch haben wir das zubereitet und da war noch Kaffee dabei, Kekse, Wasserreinigungstabletten und sogar Grießbrei. Das hat den Tag gerettet. Inzwischen gibt es natürlich auch vegetarische Gerichte und Gerichte ohne Schweinefleisch. Aber wenn es hart auf hart kommt, wird da keiner mehr wählerisch sein.

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Die rote Kuh

Die Opferverbrennung der roten Kuh
Die Opferverbrennung der roten Kuh

„Sage den Kindern Israel, daß sie zu dir führen eine rötliche Kuh ohne Gebrechen, an der kein Fehl sei und auf die noch nie ein Joch gekommen ist.“ Numeri / 4. Moses, 19:2

28. Juni 2017, Jerusalem

Die rote Kuh ist das letzte Puzzelteil für die Wiedererbauung des jüdischen Tempels auf dem Tempelberg in Jerusalem. Die Erbauung und darauf folgende Zerstörung des Tempels wiederum ist das letzte Puzzelteil für die Rückkehr des christlichen Messias und der Apokalypse im Sinne der Johannesoffenbarung. In dieser gibt es zu Anfang noch einen Tempel den Johannes vermessen soll, aber wenn das neue Jerusalem aus dem Himmel nieder fährt, ist er verschwunden.

Die Suche nach der roten Kuh hat mich nach Jerusalem geführt. Es gibt aktive Bestrebungen diese Kuh zu finden, besser gesagt sie zu züchten. Einer der Hauptakteure ist das Tempel Institut, das seinen Sitz in der Altstadt von Jerusalem, unweit des Tempelbergs hat. Zuerst habe ich allerdings den Tempelberg selbst besucht, da dieser nur vormittags für Nicht-Muslime zugänglich ist. Bei der Taschenkontrolle wird nach religiösen Objekten gesucht. Nicht-Muslime dürfen auf dem Berg nicht beten. Ein Mann vor mir hatte einen Rosenkranz in der Tasche. Die israelischen Soldaten haben ihn angewiesen diesen auf keinen Fall auszupacken. Auf dem Tempelberg befinden sich der Felsendom und die Al Aqsa Moschee, beide sind nicht zugänglich für Nicht-Muslime. Der Felsendom wurde über dem Stein erbaut, von dem aus Mohammed der Überlieferung nach in den Himmel aufgefahren ist. An der selben Stelle befand sich der Überlieferung nach aber auch das Heiligtum des jüdischen Tempels, denn dort soll Abraham, der Gründungsvater des Judentums versucht haben seinen Sohn Isaac zu opfern. Weiterhin soll sich an dieser Stelle auch der Mittelpunkt des Paradieses befunden haben.
Das Gelände des Tempelbergs ist weitläufig mit direktem Blick auf den Ölberg, einer beliebten jüdischen Grabstätte – bei der Erscheinung des jüdischen Messias werden die dort Begrabenen als erstes wieder auferstehen. Vom Ölberg aus ist außerdem Jesus in den Himmel aufgefahren und seine Verhaftung fand ebenfalls hier statt.
Es waren nur kleine Gruppen auf dem Tempelberg, wenige Touristen, ein paar Muslime. Gleich am Eingang für die Nicht-Muslime sitzt ein Mann auf einem weißen Plastikstuhl der per Zuruf darauf aufmerksam macht, ob die Besucher*innen angemessen gekleidet sind. Manchmal muss nur die Jacke geschlossen werden, andere werden entlang der Mauer zur Ausgabe von Tüchern und Röcken geschickt. Sowohl Frauen als auch Männer müssen ihre Beine und Schultern bedecken, das Dekolleté muss bis zum Hals bedeckt sein.

Nicht weit vom Tempelberg, im jüdischen Viertel der Altstadt hat das Tempel Institut seinen Sitz inklusive Ausstellungsräumen. Neben der Suche nach der roten Kuh, lassen sie Gegenstände für die Zeremonien im Tempel anfertigen und erstellen Computersimulationen vom potentiellen dritten Tempel auf dem Tempelberg. Diese Kuh wird für Reinigungsrituale benötigt, die notwendig sind um den Tempel überhaupt in Betrieb nehmen zu können.

Im Museum des Tempel Instituts ist die rote Kuh allerdings nicht präsent. Die Ausstellung besteht aus in Folie eingeschlagene Gemälden, die das Leben im Tempel zeigen sowie aus den Ritualgegenständen die bereits angefertigt wurden. Darunter sind verschiedene Behältnisse für Blut und Wasser, ein Brunnen zur Reinigung der Priester, ein Brotwagen, Kleidung für die Priester und eine riesige, goldene Minora. Die Bersucher*innen werden von einer Stimme in der Sprache ihrer Wahl durch die Ausstellung geführt. Ganz am Ende zeigt eine ausführliche Computersimulation den geplanten Tempel, im Anschluss laufen zwei Werbevideos für den Wiederaufbau. In der Audiotour wird auch auf die Bedeutung der Position des Felsendoms hingewiesen. Es wird aber in keinem Moment erwähnt, dass der Bau des Tempels den Abriss des Felsendoms bedeutet.

Im Souvenirshop des Museums konnte ich dann doch noch einen Hinweis auf die Rote Kuh finden. Ein laminierter Tischuntersetzer zeigt die Opferverbrennung der roten Kuh.

Meine nächste Spur wird mich in die Wüste Negev führen. Dort befindet sich eine Farm, die rote Angusrinder mit amerikanischen Embryonen züchtet. Das Tempel Institut unterstützt diese Züchtung finanziell, in der Hoffnung so die rote Kuh nach Israel zu bringen.